Interview mit Thomas Berkenkamp zum Thema Kinder- und Jugendhospiz

Moni:
Lieber Thomas, du bist seit Jahren ehrenamtlich aktiv im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Kassel, möchtest du mal berichten?

Thomas:
Die Dachorganisation ist der Deutsche Kinderhospizverein e.V., der 1990 von sechs betroffenen Familien gegründet wurde, deren Kinder lebensverkürzend erkrankt waren. Inzwischen gibt es bundesweit über 20 angeschlossene ambulante Dienste.

Moni:
Was heißt ‚lebensverkürzend‘ erkrankt?

Thomas:
Mehr als 50.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland haben eine Erkrankung, an der sie voraussichtlich frühzeitig sterben werden. Die Medizin kennt rund 8000 ‚seltene Krankheiten‘, oft genetisch bedingt. Oder es handelt sich z. B. um Unfallfolgen oder Schütteltraumata.
Wir sprechen generell nicht von schwerkranken, sterbenskranken oder todkranken, sondern stets von lebensverkürzend erkrankten Kindern. Wir möchten den betroffenen Familien in einer neuen Lebenssituation und den damit verbundenen Herausforderungen ab der Diagnosestellung, im Leben wie im Sterben und über den Tod des Kindes hinaus, zur Seite stehen. Die Familien brauchen Begleitung, Unterstützung, Entlastung, eine Atempause, Verständnis, Offenheit und vieles mehr.

Moni:
Warum ambulant?

Thomas:
Wir begleiten im häuslichen Umfeld, damit den Kindern die familiäre, private Umgebung erhalten werden kann. Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe, unterstützen Eltern und gesunde Geschwister, hören zu und sind Ansprechpartner im Alltag mit dem erkrankten Kind und für Themen wie Abschied, Tod und Trauer.

Moni:
Welche Kosten entstehen den Familien?

Thomas:
Wir arbeiten kostenfrei.

Moni:
Welche Kenntnisse sind für diese Arbeit nötig?

Thomas:
Bevor wir beginnen, absolvieren wir ein intensives Seminar (über 100 Stunden), später Fortbildungen. In Erster Hilfe am Kind oder mit Notfallmedikationen müssen wir uns natürlich auskennen, mit Trauerbewältigung und Grabkultur,
oder auch die rechtlichen Grundlagen kennen. Mir hilft, dass ich in (Kinder-) Krankenpflege und Rettungsdienst tätig war

Moni:
Werdet ihr in eurer Arbeit unterstützt?

Thomas:
Ja, wir haben monatlich Praxisbegleittreffen oder Supervision, und unsere
Koordinatorinnen sind jederzeit für uns da.

Moni:
Wie kamst du auf die Idee, diesen Job zu machen?

Thomas:
Ich hatte schon länger vor, nochmal was Sinnvolles zu machen. Und ich liebe Kinder. So sprach mich Gott eines Tages über einen Zeitungsartikel an, diese Aufgabe zu übernehmen.
Die kann anstrengend sein, aber: Es kommt viel zurück!

Moni:
Und wenn sich jemand dafür interessiert, kann sie/er dich ansprechen?

Thomas:
Sehr gern! Wir freuen uns – bei steigendem Bedarf – sehr über weitere Menschen, die mitmachen. Ich informiere gern und habe auch Material, das ich weitergeben kann. Vielleicht hat jemand Bekannte, die auch nach einer sinnvollen Tätigkeit suchen…
Das kann bei uns z. B. auch die Betreuung eines Geschwisterkindes sein, oder der Einsatz in einer Gruppe gesunder Geschwister, die ich im vergangenen Jahr mit einer Kollegin gegründet habe. Da haben die Kids uns mal ganz für sich allein .

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